Was wäre ich ohne das Tanzen

Ich weiß nicht wo und wer ich ohne tanzen wär‘.

Marianne Bradaric

Ich war mal ein eher turbulentes Kind und dann verstand ich, dass ich ein braves Mädchen sein muss. Unauffällig, leise, hilfsbereit, fleißig. 

Dass es eine richtige Hand zum schreiben gibt ,und dass es eine schöne Handschrift für ein Mädchen braucht. Dass man nicht laut lacht, sonst wird man komisch angeschaut.

Aber mit 12 fand ich das Tanzen für mich. Ich war gut und ich konnte zeigen, was in mir steckt: große Bewegungen, den Raum nutzen, strahlen und anderen damit eine Freude machen. 

Auf der Bühne ist gewünscht, dass man aufrecht steht, sich nicht klein macht. Dass man alles gibt, und sich nicht zurückhält, dass man schwitzt und dabei auch mal rot wird, dass das Leben durch einen pulsiert. 

Seit über 30 Jahren begleitet mich das Tanzen und auf der Bühne bin ich wer anders. Das Tanzen hat mich begleitet und dafür gesorgt, dass ich erhobenen Hauptes durch die Welt gehe. Das Tanzen hat mir gezeigt, dass wich was kann und wenn ich es noch nicht kann, dann kann ich es lernen.

Beim Hiphop bewegt man sich lässig und cool, beim Jazztanz drückt man eine Erzählung aus, beim Flamenco lodert das Feuer und temperament, beim Bollywood sprüht die Lebensfreude. Für so viele Facetten hat das Tanzen ein Angebot parat. 

Was Tanzen mit Positiver Psychologie zu tun haben könnte, könnt ihr euch bestimmt langsam vorstellen. Der Körper und unser Inneres hängen ganz eng zusammen. Der Tanz ist ein Ausdruck von dem was in einem steckt und hinaus will. 

Das Tanzen hat nicht nur zu meiner äußeren Haltung beigetragen, indem ich Muskeln im ganzen Körper aufgebaut habe, sondern auch zu meiner inneren Haltung beigetragen. 

Die Erfahrung, dass die innere Haltung an der äußeren hängt, konnte ich auch bei meinen vielen Fotomodellen feststellen, die von mir in die Posen gecoacht wurden. Das übertrug sich meistens auf deren Stimmung. 

Selbstversuch 1:

Versuch das gerne einmal: stell dich hin, lass dich Schultern und den Kopf hängen und fühl mal in dich hinein. Jetzt stell dich aufrecht hin, schließe deine Augen einen Moment und stemme währenddessen die Hände in die Seiten, heb das Kinn und stell dir vor wie du innerlich sagst: schau wer ich wirklich bin!

Das fühlt sich ganz anders an als mit den hängenden Schultern. 

Selbstversuch 2:

Setz dich auf einen Stuhl leg deinen Oberkörper nach vorne und lass die Arme hängen, so dass sie beinahe den Boden berühren. Und jetzt sag: Ich bin so glücklich!!!

Und dann steh auf, streckt die Arme in einem V zur Decke/zum Himmel, heb den Kopf nach oben und sag: ich bin soo unglücklich!

Ihr werdet feststellen: das geht nicht gut und passt einfach nicht zusammen. Wir lösen das noch auf, damit keine komischen Gefühle zurück bleiben und ich sagt in der letzten Position: Ich atme auf. Oder Ich bin glücklich. Je nachdem was sich für euch besser machbar anfühlt. 

Es ist also klar, dass es einen Zusammenhang zwischen innen und außen gibt. Tanzen an sich hat aber noch einen weiteren Vorteil, nämlich dass Bewegung und in Bewegung sein ein gutes Gefühl macht. Dafür ist unser Körper geschaffen worden, nicht zum sitzen. Wenn wir sitzen ist nur unser innerer Energiesparer am Werk, der Angst hat, dass wir zu viel Energie verbrauchen und dann für die “Hungerzeiten” keine mehr übrig haben. In unserer Gesellschaft mit tendenziell eher viel Energiespeicher auf den Hüften, passiert das eher selten. Also Bewegen wir uns. Es muss noch nicht einmal tanzen sein und schon gar nicht braucht es KÖNNEN dafür.  Einfach Lieblingslied an, Augen zu und Arme und Hüften schwingen oder Knie wippen. Das reicht schon für gute Laune.

Quicktipp: Wenn du noch keine hast, leg dir eine Playlist an mit deinen Lieblingsliedern. Ich habe eine die heißt: backtogoodmood (zurück zur guten Laune), eine Entspannungsliste, eine mit Jugendzeitklassikern zum mitsingen, und eine mit Frauenpowerlieder, falls ich mal unsicher werde, ob ich meine Pläne auch wirklich umsetzen kann. Ach ja, sagt es keinem weiter, aber als absoluter Disney-Fan habe ich alle Disney-Lieder zum mitsingen für meine Autofahrten allein 🙂

Wenn unsere innere Haltung positiv ist und wir gute Laune haben, ändert sich auch unsere äußere Haltung, wir stehen aufrechter, begegnen anderen Menschen offener und auf Augenhöhe und wir haben einen optimistischeren Blick auf die Zukunft. 

Das trifft auf mich zu 100% zu. 

Es gibt so viele Parallelen, die ich ziehen kann zwischen Übungen aus der Positiven Psychologie und dem Tanzen:

Beim Tanzen in einer Gruppe im Hinblick auf Meisterschaften kommt es auch immer darauf an, auf sich und seinen Körper zu achten, Körperspannung und Koordination der Gliedmaßen (wo ist mein Arm gerade und wie bewegt er sich) und die Position im Raum (bin ich in der Reihe) und in stiller Absprache mit den anderen Tänzern (korrigierst du dich Reihe oder ich), sonst ist an Synchronität nicht zu denken. Man ist voll da – also achtsam im Moment. Jeder Tänzer arbeitet kontinuierlich an seiner Kompetenz und achtet dabei auf die Mittänzer und hilft wenn er/sie gebraucht wird, denn wenn nur einer besser wird, passt das Gesamtbild nicht. Es braucht eine gewisse Flexibilität von einigen Mittänzern, denn wenn einer ausfällt müssen die Reihen getauscht oder angepasst werden. Wer hier eine Stärke hat, wird dafür eingesetzt, wer darin nicht so gut ist, von dem wird das nicht erwartet. Und am wichtigsten ist Fehlertoleranz und ein guter Umgang mit den Gefühlen, wenn ein Fehler passiert ist. Fehler des Einzelnen bedeuten oft Punktverlust für das Team oder einen sichtbaren Patzer für das Publikum. Sich selbst dabei zu verzeihen und Mitgefühl mit sich zu haben, wenn man derjenige oder diejenige mit dem Fehler ist, muss genauso gelernt werden, wie dem Teammitglied verzeihen zu können.

All diese Themen finden sich in Übungen der Positiven Psychologie: Achtsamkeit-im Moment sein, Stärken stärken, Selbstmitgefühl zeigen, Kompetenz bekommen und leben, Fehlertoleranz aufbauen, die innere Haltung uns und anderen gegenüber trainieren.

Wie hört sich das für dich bisher an? Sind das Fähigkeiten, die dir wichtig sind? Wer bisher nicht tanzenderweise durchs Leben gewandelt ist, kann trotzdem diese Themen angehen. Der Kurs Fit für den Parcours des Lebens setzt genau dort mit Übungen an. 

Häufig gestellte Fragen zum Kurs:

Wie kann ich mich an die Übungen erinnern?

Am besten ist es, sich die Latte nicht zu hoch zu setzen und erst einmal mit einer Übung zu machen. Auszuprobieren und tatsächlich zu überlegen, wie sie am besten in den Alltag passt. Es gibt Übungen, die bieten sich morgens oder abends an. Bei manchen Übungen macht es sich eine Farbe zu überlegen, und wenn man diese Farbe im Alltag sieht, die Übung zu machen. 

Soll ich alle Übungen machen?

Ich würde vorschlagen, jede Übung zumindest auszuprobieren. Vielleicht auch mehrere Male, denn Neues braucht oft etwas Zeit und ist beim ersten Mal noch so ungewohnt, dass es befremdlich sein kann. Die Übungen sind im Ganzen als eine Art Blumenstrauß, aus dem man sich die aussuchen kann, mit denen man gut kann.

Was, wenn ich eine Übung nicht mag?

Das ist überhaupt kein Problem. Ich habe in meinen verschiedenen Ausbildungen auch schon Übungen gemacht, von denen ich gleich wusste, dass wir nicht zusammen passen. Dann ist entweder noch nicht der richtige Zeitpunkt oder es passt einfach nicht. Die Offenheit zu sich selbst, dass man eine eigenständige Person mit eigenem Geschmack und Vorlieben und eben auch Abneigungen ist, ist sehr wertvoll. 

Mein Fazit: Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man unmotiviert oder kaputt vom Alltag oder einer anstrengenden Woche ist. Ich weiß, wie überzeugend der Energiesparer ist und wie verlockend die Couch ist. Ich weiß, wie es sich anfühlt nicht ins Fitnessstudio zu wollen oder sich nicht zum joggen aufraffen zu können. Aber immer wenn ich es zu meiner Zumbastunde schaffe, bin ich danach zufrieden und glücklich und stolz, dass ich mir die Zeit genommen habe. Nicht jeder Sport ist das richtige für genau dich. Gib bei der Suche nicht auf. 

Ich weiß nicht wo und wer ich ohne tanzen wär. Aber ich wäre bestimmt nicht, die die ich heute bin. Ich bin überzeugt, dass jeder verdient hat glücklich zu sein und vielleicht nur noch nicht das richtige Werkzeug hat. Wir alle dürfen nach mehr im Leben streben, mehr Glück, mehr Zufriedenheit, besseren Kontakt zu unseren Mitmenschen und unseren eigenen Bedürfnissen. Ja, das bedeutet oft erst einmal eine Umstellung und die Bereitschaft neues zu probieren: neue Übungen, neue Einstellungen, neue Gewohnheiten, neue Perspektiven.

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